KI-Hygiene: So räumst du deine KI-Infrastruktur regelmäßig auf

Auf LinkedIn hab ich erzählt, dass ich am Wochenende KI-Hygiene betrieben habe, und mir gleich gedacht: Jetzt fragen sich einige, what's that? Ein offizieller Fachbegriff ist es nicht. Ich nenne es "digital housekeeping" für die eigene KI-Infrastruktur. Hier erkläre ich, was dazugehört und wie ich dabei vorgehe.
Was ist KI-Hygiene?
KI-Hygiene heißt, die eigene KI-Infrastruktur regelmäßig aufzuräumen, anzupassen und abzusichern. Gemeint ist alles, was sich rund um die Arbeit mit KI ansammelt: Tools und Abos, Projekte, Zugänge, Automationen, Skills, Konnektoren und MCPs, also die Schnittstellen, über die ein KI-Assistent auf andere Programme zugreift. Dazu kommen Berechtigungen, die irgendwann einmal erteilt wurden. Wer KI im Arbeitsalltag einsetzt, baut sich über Monate ein eigenes System. Und jedes System braucht Pflege.
Warum sammelt sich so viel an?
Weil Ausprobieren dazugehört. Neue Tools kommen fast wöchentlich, und wer mit KI arbeitet, testet. Viele davon greift man danach nie wieder an, das Abo läuft trotzdem weiter und der Zugang bleibt offen. Halbfertige Projekte liegen herum, Automationen laufen für Abläufe, die es so längst nicht mehr gibt. Irgendwann arbeitest du in einem Setup, das dir keiner mehr erklären kann. Du selbst inklusive.
Wie räumst du deine KI-Infrastruktur auf?
In drei Schritten: ausmisten, anpassen, absichern.
Beim Ausmisten geht es darum, was du noch verwendest. Welche Tools und Abos sind im Einsatz, welche liegen nur herum? Alte Projekte, Zugänge und Automationen kommen raus, genauso wie Skills, Konnektoren oder MCPs, die du nicht mehr brauchst.
Beim Anpassen schaust du auf deine Abläufe. Meine Skills und Workflows sind für Tools gebaut worden, die vor einem halben Jahr noch ganz andere Sachen konnten. Die Modelle entwickeln sich rasend schnell weiter, und die Workflows müssen mitwachsen. Sonst arbeite ich mit angezogener Handbremse und merke es nicht einmal.
Beim Absichern prüfst du Zugriffe und Daten. Das ist der Punkt, der mir am wichtigsten ist.
Warum ist Absichern der wichtigste Schritt?
Weil KI-Tools oft weitreichende Zugriffe haben: auf Mails, Kalender, Dokumente und manchmal auch auf Kundendaten. Ich stelle mir dabei immer dieselben Fragen. Wer und welches Tool hat Zugriff worauf? Welche Daten werden wo gesichert, und welche bleiben lieber lokal verschlossen? Hängt irgendwo noch eine Freigabe, die ich längst vergessen habe?
Ein typisches Beispiel: Eine Konditorei testet ein Tool, das Captions direkt aus dem Google-Drive-Ordner mit den Produktfotos schreibt. Nach ein paar Wochen ist das Tool vergessen, die Freigabe für den Ordner besteht weiter. Und im selben Ordner liegen inzwischen auch Preislisten und Lieferantenverträge.
Cybersicherheit und Datenschutz werden wichtiger denn je. Not the sexiest topic out there, ich weiß. Es gehört trotzdem unabdingbar dazu, vor allem wenn du mit Kundendaten arbeitest.
Wie oft solltest du KI-Hygiene machen?
Regelmäßig, und am besten mit fixem Termin im Kalender. Ich würde für die meisten kleinen Unternehmen einmal im Quartal empfehlen. Dazu kommen zwei Anlässe außer der Reihe: nach größeren Updates deiner wichtigsten Tools und immer dann, wenn jemand aus dem Team oder eine Freelancerin nicht mehr mitarbeitet. Dann werden die Zugänge sofort entzogen, nicht erst beim nächsten Aufräumen.
Selbst machen oder auslagern?
Beides geht, Hauptsache, es passiert. Wer die eigene KI-Infrastruktur selbst aufgebaut hat, kennt sie am besten und kann Ausmisten und Anpassen meist selbst erledigen. Beim Absichern lohnt sich bei sensiblen Daten ein zweiter Blick von jemandem, der sich mit IT-Sicherheit auskennt. Am riskantesten ist die dritte Variante: gar nichts tun, weil man noch nie davon gehört hat.
Was bringt dir KI-Hygiene?
Ein aufgeräumtes Setup arbeitet schneller, kostet weniger und bietet weniger Angriffsfläche. KI-Hygiene ist deshalb kein Projekt, das man einmal abschließt, sondern Routine, so wie die Buchhaltung oder das Backup. Better safe than sorry.
Wie handhabst du das mit der KI-Hygiene? Kümmerst du dich selbst drum, lagerst du es aus, oder hast du gerade zum ersten Mal davon gehört? Schreib mir gern.



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